Mein Portrait – Johanna Alberding

Auf die Frage wie ich zum Segelfliegen gekommen bin zucke ich eigentlich immer mit den Achseln und antworte „Gute Frage“. Ob es nun an einem Gastflug mit einer Vereinscessna oder doch an dem Familienurlaub auf der Wasserkuppe lag? Ich kann es nicht sagen wann genau mich die Fliegerei in den Bann gezogen hat. Kurz vor meinem 16. Geburtstag war ich auf jeden Fall fest entschlossen, dass ich Fliegen möchte. Ganz schön blauäugig, denn als ich mich auf dem Texas Airport Cloppenburg-Varrelbusch wiederfand und das erste Mal gesehen habe wie so ein Windenstart aussieht, habe ich mir das Ganze etwa zwei Stunden aus sicherer Entfernung angeschaut und mit mir gehadert. Es war diese Mischung aus purer Neugier und Begeisterung und auf der anderen Seite Angst.
Während der Segelflugausbildung haben mich die ein- oder anderen Fluglehrer motiviert, sodass nach Erhalt der Lizenz die ersten Versuche Strecke zu Fliegen erfolgten. Zunächst überwiegend doppelsitzig im Janus und ein Jahr später hatte ich das Glück quasi alleine auf der Vereins LS4 zu fliegen. 2014 nahm ich das erste Mal an einem Wettbewerb teil. Die Bezirksmeisterschaften Weser-Ems, auf denen ich die Jahre zuvor schon als Rückholerin tätig war, fanden in diesem Jahr bei uns am Platz statt und somit meldete ich mich an. Das Gefühl, als ich tatsächlich das erste Mal „rum“ gekommen bin war schon einzigartig. Am letzten Tag flog das gesamte Teilnehmerfeld nicht den direkten Weg zur Wende, sondern den kleinen Umweg unter den Wolken entlang. Nur klein Johanna fliegt natürlich mitten durch das blaue Loch. Diese Aktion führte doch noch zu einigen lustigen Gesprächen am Abend, denn sie brachte mir tatsächlich den Tagessieg. Das war wahrscheinlich mehr Glück als Verstand.
Auf zwei Streckenfluglehrgängen in Celle Scheuen habe ich einiges gelernt und mir wurde erst einmal vor Augen geführt wie blauäugig ich tatsächlich an die Streckenfliegerei heran gegangen bin. In den folgenden Jahren nahm ich ebenfalls an den Bezirksmeisterschaften teil und ja mittlerweile ist es wirklich wie eine Art „Familientreffen“.
Als es hieß, dass 2017 eine Juniorenquali in Achmer, also in der direkten Nachbarschaft, stattfindet, habe ich mich zusammen mit Andre, Christian, Maik, Matze, Marvin und Hauke angemeldet. Es war ein Wettbewerb, der komplett anders war als unser „Familientreffen“. Die Begrüßung war lustig, denn wie sich herausstellte war ich die älteste Teilnehmerin und genau so wurde ich auch vorgestellt. Fliegerisch hat mir der Wettbewerb einiges abverlangt. So war ich nicht nur einen Tag davon überzeugt, dass das mit der Fliegerei vielleicht doch nicht so mein Ding ist. Aber er hat mich auch viel gelehrt unter anderem die Vorzüge eines Infoteams, die Höhen und Tiefen eines Fluges und was es heißt zu kämpfen, denn der Gedanke an eine Landung auf dem Acker ist deutlich unattraktiver als der ans „Rumkommen“. Durch diesen Wettbewerb habe ich es wider Erwarten in den D-Kader geschafft und durfte nun 1,5 Jahre genießen. Das Trainingslager und die Herbst- und Wintertreffen bringen einen fliegerisch nochmals ein ganzes Stück nach vorn, denn man beschäftigt sich mit Themen, die man sonst vielleicht einfach nur aus dem Bauch heraus entschieden hat (Thema Abflug, Endanflug, Vorflug). Auch wenn ich bei der DMF in Lachen-Speyerdorf 2018 meine Ziele nicht erreicht habe, so ist mir doch einiges deutlich geworden. Es ist wichtig, dass man Spaß hat an dem was man macht, denn dann kann man dieses wunderschöne Hobby auch wirklich genießen. Zwar ist Kämpfen wichtig aber mindestens genauso wichtig ist es, dass man das Erreichen seiner Ziele nicht vor die eigene Sicherheit stellt.
Auf diesem Wege ein riesen Dankeschön an alle, die all das überhaupt möglich gemacht haben.

Text: Johanna Alberding
Foto: Johanna Alberding

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.